Chemotherapie/Krebs

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten und häufigsten Fragen zu den Themen Chemotherapie und therapiebedingter Haarausfall.

Was ist eine Chemotherapie?

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung von Krebserkrankungen oder Infektionen. Umgangssprachlich ist meist die Behandlung von Krebs gemeint. Bei der Chemotherapie werden chemische, mineralische oder pflanzliche Stoffe verwendet, die eine schädigende Wirkung haben, besonders auf die Verursacher der jeweiligen Krankheit. Bei der Therapie von Krebs wird die schnelle und häufige Zellteilung der Tumorzellen genutzt. Sogenannte Zytostatika hemmen die Teilung dieser Zellen und sorgen so für deren absterben.

Strukturformeln verschiedener Zytostatika:

    

Warum fallen die Haare aus?

Durch die Medikamente (Zytostatika) werden vor allem Zellen geschädigt, die eine hohe Teilungsaktivität besitzen. Sich schnell und häufig teilende Zellen finden sich in Krebs-Tumoren, aber auch in den Schleimhäuten, im Knochenmark und den Haarwurzeln. Da sich die Medikamente im gesamten Körper verteilen, wirken sie auf alle erwähnten Bereiche sehr stark.

Das Haarwachstum wird unterbrochen und die Struktur der Haare geschädigt. Sie sind weniger stabil und brechen schneller ab oder lösen sich einfach aus ihrer Verankerung.

Wann fallen die Haare aus?

Der Haarausfall beginnt in den meisten Fällen zwei bis vier Wochen nach der ersten Behandlung. Es ist auch möglich, dass die Haare direkt nach der Behandlung ausfallen. Bei der Medikamentengabe werden die Haare geschädigt. Entweder lösen sich die Haare bei leichtem Ziehen aus der Kopfhaut oder brechen ab, sobald die geschädigten Stellen in die Nähe der Hautoberfläche gelangen.

Fallen die Haare immer aus?

Haarausfall ist eine häufige, aber immer vorübergehende Nebenwirkung bei einer Chemotherapie. Vorausgehend oder parallel können auch Schmerzen oder ein Kribbeln in der Kopfhaut auftreten. Die Haare müssen nicht zwangsweise bei jeder Chemotherapie ausfallen. Ob das Kopfhaar gar nicht, teilweise, komplett, oder auch Wimpern, Augenbrauen und Körperbehaarung ausfallen, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Art der Medikamente bzw. Kombination verschiedener Präparate
  • Höhe der Dosierung
  • Anzahl der Behandlungen
  • Alter der Patienten
  • Einsatz der Kühlhaube

Haarausfall muss nicht immer auftreten, sprechen Sie daher vorher mit Ihrem Arzt über alle zu erwartenden Nebenwirkungen und lassen Sie sich falls möglich und erwünscht von ihm eine Perücke verschreiben. Die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten für die Anfertigung teilweise oder komplett.

Wachsen die Haare wieder nach?

Die Haare beginnen etwa sechs bis acht Wochen nach dem Ende der Behandlung nachzuwachsen. Das Wachstum beginnt, sobald die Medikamente im Körper abgebaut sind. Meistens wachsen die Haare zunächst anders als vorher nach, sie können lockiger und feiner sein oder eine andere Farbe haben. Nach einigen Monaten finden die Haare jedoch zu ihrer ursprünglichen Erscheinung zurück.

Welche anderen Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Neben dem Haarausfall sind abhängig vom jeweiligen Medikament folgende Nebenwirkungen häufig anzutreffen:

  • Blutarmut, Schwächung der Abwehrkräfte
  • Entzündungen der Schleimhäute, Blutungsneigung
  • Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit
  • Durchfälle, Verstopfung
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Chronische Organschäden etwa an Herz, Lunge oder Nieren
  • seltener Schäden an Haut und Nägeln

Auftreten und Schwere dieser Nebenwirkungen sind je nach Behandlung und Patien unterschiedlich.

Was kann gegen die Nebenwirkungen getan werden?

Gegen manche dieser Nebenwirkungen, wie etwa Übelkeit, können Medikamente eingesetzt werden. Gegen den Haarausfall kann jedoch präventiv vorgegangen werden mit Hilfe von Hypothermie bzw. der Kältehaube. Es ist unverzichtbar sich zuvor von seinem Arzt über den Einsatz einer Kältehaube beraten zu lassen, da er mit hohen Risiken verbunden ist.

Die Kopfhaut wird mit einem Kühlaggregat in "Mützenform" (Temperatur etwa -15°C), das auf das nasse Haar gelegt wird, während der Verabreichung der Medikamente unterkühlt und so Blutzirkulation und Zellstoffwechsel stark eingeschränkt. Ziel dieser Maßnahme ist, soweit wie möglich zu verhindern, dass die Medikamente in die Zellen der Haarwurzeln gelangen und diese Schädigen. Die Haube wird von 15 Minuten vor bis 15 Minuten nach der Behandlung getragen und für gewöhnlich alle 30 Minuten gewechselt.

Ähnliche Maßnahmen können auch für die Wimpern, Augenbrauen und falls notwendig auch Finger- und Fußnägel durchgeführt werden. Diese werden jedoch meist von den Krankenhäusern nicht angeboten.

Nagellack kann helfen die Nägel zu schützen. Am Vortag oder auch am Tag der Behandlung zwei Schichten siliziumhaltigen und zwei Schichten nichtperlmuttschimmernden, dunklen Negellack auftragen. Den Nagellack während der gesamten Behandlungsdauer belassen. Falls der Lack abblättert entfernen Sie ihn mit acetonfreiem Nagellackentferner und tragen Sie die vier Schichten erneut auf.